Seit ich lesen kann bin ich auf Reisen. Zunächst nur in meiner Phantasie, aber seit ich mit 16 die Erlaubnis erhielt einen Motor via Gasgriff auf Trab zu bringen war ich bei jeder Gelegenheit, d.h. soweit es der Inhalt des Geldbeutels erlaubte, in der Weltgeschichte unterwegs.

Dieser Drang in die Ferne gipfelte 1972 in einer halbjährigen Reise mit vier  Freunden  in einem VW-Bus nach Afghanistan. Hin ging es über Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Syrien, Libanon, Jordanien und den Irak. Auf dem Rückweg wurde dann noch Bulgarien, Rumänien und Ungarn durchquert, denn der schönste Reiseweg ist der Umweg. Auf dieser Tour ließ ich mich fahren, denn mit Autos hatte ich nichts am Hut und dementsprechend auch mit 18 nur den Motorradführerschein gemacht und auch gleich das Moped gegen ein Motorrad ausgetauscht.

1974 ging es dann mit einer Honda CB750 Four und Sozia via Jugoslawien und Griechenland in die Türkei. Danach wurden zunächst nur noch europäische Brötchen gebacken, denn ich hatte ein größeres Ziel: nach dem Studium wollte ich auf unbestimmte Zeit Süd- und Mittelamerika bereisen.

Doch Erstens kommt es, und Zweitens, und überhaupt hatte ich dann kurz vor Ende des Studiums plötzlich Frau und Kind. Damit änderten sich zwangsläufig die Ziele und meine Reisepläne wurden zu einem ständig im Hinterkopf lauerndem Traum. Mir ging es in den folgenden 20 Jahren fast so wie in der Realsatire Ich war männlich, verwegen, ich war frei und hatte lange Haare. Kurz und gut, vor ein paar Jahren wurde ich wieder frei und der Jugendtraum drängte sich mit Macht in den Vordergrund.

Wichtig genug um der „Führungselite“ in der Firma bei erst bester Gelegenheit den Krempel auf die Füße zu schmeißen und mich in den vorzeitigen Ruhestand zu verabschieden.

Ursprünglich hatte ich geplant Deutschland für unbestimmte Zeit den Rücken zu kehren, in die USA zu fliegen, dort ein geeignetes Mopped kaufen, dieses vor Ort fernreisetauglich aufzupeppen und dann gemütlich den Weg nach Süden unter die Räder zu nehmen.

Mögliche Kandidaten waren:

Suzuki:
DR650 – kleiner Tank
Kawasaki:
KLR650 – Modell 2007 ok, Modell 2008 zu schwuchtelig (aufgeblasenes Plastikgeraffel)
Honda:
XR650L – relativ teuer, wenig reisetauglich, geht eher Richtung HardCore-Enduro.
BMW:
G 650 GS, G 650 Xcountry, F 800 GS – obwohl in den USA deutlich billiger als hier, immer noch viel zu teuer – und überhaupt, bin ich denn schon über Fünfzig und damit in dem Alter um BMW zu fahren? NEIN!
KTM:
690 Enduro – die wär’s, mit etwas größerem Tank, aber leider auch vieeel zu teuer.

Also fiel die Wahl auf die KLR. Anfang 2008 wurde das Modell 07 teilweise für 3999 Dollar abverkauft!
Leider hab ich da aber verpennt mir aus der Ferne eine unter den Nagel zu reißen. Ende 2008 kosteten diese Teile mit wenigen Meilen dann deutlich über 4000 Dollar und bei dem Wechselkurs lohnte sich das ganze nicht mehr, vor allem wenn man ohnehin kein sonderlicher Fan der USA ist. Auch das mit der „unbestimmten Zeit“ hat sich inzwischen relativiert, denn ich bin (fast) in jeder Hinsicht lernresistent und kann trotz aller Erfahrungen meine Finger nicht von der holden Weiblichkeit lassen..

Also stand in jeder Hinsicht Neuorientierung auf dem Programm. Als Reiseenduro war die XT660R der Kandidat, da DR650 und XT600 neueren Baujahrs und mit wenigen Kilometern – ich will nicht mit einem schon ausgelutschten Einzylinder los – recht rar und maßlos überteuert sind. Die KLR war eigentlich kein Thema mehr, bis ich im Februar 2009 da drüber gestolpert bin:

Angebotsbild des Verkäufers
Die Klappersaki so wie sie Angeboten wurde

 

Bild vom Verkäufer
Fast wie frisch vom Band

Erstzulassung: 2002

KM-Stand: 5400

TÜV/ASU: neu

Preis: akzeptabel

Da ich ohnehin Ende Februar nach Köln fuhr konnte ich auf der Rückfahrt das Mopped besichtigen und Probefahren. Praktischerweise stand das Mopped in Weinheim. Da wollte ich ohnehin einen Zwischenstop einlegen, um meinen dort wohnenden Sohn mit meiner Gegenwart zu beehren.

Probefahrt und Preisverhandlung lief zu meiner Zufriedenheit, so das die KLR auf der Stelle den Besitzer wechselte und zunächst beim Sohn zwischengeparkt wurde.

Es wurde Mitte April bis die KLR endlich ihren Weg in die heimatliche Garage fand. Obwohl die KLR im Juli zur permanenten Baustelle wurde, hatte ich das Teil  bis dahin etwas über  2000 km – leider nur Straße -bewegt und kann im Vergleich zu meiner XT600 (43F) folgendes Urteil abgeben:

Plus:

  • Bremsen (dank Stahlflex?) deutlich besser
  • „oben raus“ mehr Dampf
  • wesentlich höhere Endgeschwindigkeit
  • Sitzbank bietet tatsächlich zwei Personen Platz
  • E-Starter

Minus:

  • „gefühlt“ mindestens 20 kg schwerer
  • unhandlicher
  • deutlich höherer Benzinverbrauch
  • wartungsunfreundlich verbaut
  • kein Kickstarter
  • kein Drehzahlmesser
  • absolut keine Traktorcharakteristik im unteren Drehzahlbereich

Insgesamt bietet Baujahr 1986 mehr Fahrspaß als Baujahr 2002, aber Kawasaki hatte ja auch ausreichend Zeit von 650A zu 650C zu verschlimmbessern. Yamaha ist das bei der XT über die Jahre ja auch ganz gut gelungen und auch die XT660R ist m.E. nicht gerade ein Sinnbild für den Fortschritt der Technik.

Doch was die Ingenieure in Jahrzehnten verbastelten, das kann ein Geisteswissenschaftler ohne Geist in knapp einem halben Jahr doch wieder einigermaßen hinbiegen. Irgendwie hat es sich beim  Reisefertigmachen des Motorrads ganz von selbst ergeben das sich die KLR650C in irgend ein seltsames Gemenge ihrer Vorfahren KLR650A und KLR650 Tengai verwandelte.

Umbau auf Alufelgen mit neuen Radlagern und Conti TKC80

Auf die Beine gestellt: mit Alufelgen eines ihrer Ahnen

Die Schablone für den Motorschutz wird aufgezeichnet
Maßnehmen für des Kaisers neue Kleider (Motorschutz)

Der Originaltank ist bei dem Durst der KLR viel zu klein und als Nichtmehrraucher braucht man ständige Tankpausen die sich wie von selbst in Zigarettenpausen verwandeln ja auch nicht mehr sooo dringend (in meinem etwas fortgeschrittenem Alter werden´s eher Pinkelpausen). Da Acerbis-Tanks für das C-Modell sehr rar sind, wurde das Fass einer A montiert. Passte auf Anhieb, lediglich für die Kühlerblenden musste ich mir etwas einfallen lassen.

Die Stahlfelgen fand ich auch nicht so „gebig“, also wurden sie durch die einer A oder Tengai ersetzt und auch gleich mit neuen Radlagern beglückt.

Da ich einen gewissen Hang zu kleinen und kleinsten Sträßchen habe, die auch nicht unbedingt durch Asphalt verschönert sein müssen, braucht´s auch einen ordentlichen Motorschutz statt des nichtsnützigen, aber sackschweren Originalteils. So etwas gibt es für richtig viel Geld zu kaufen, aber dem stand mein schwäbisches Naturell entgegen – ich bin KEIN Schwabe, aber manchmal sparsam – und deshalb wurde Maß genommen und selbst gebaut, bzw.hab bauen lassen. Letztlich hat mich der Motorschutz nicht mal 30 € gekostet und das ist für so ein einfaches Blechteil wirklich genug.

Außer dem Tank passt nichts von den Vorgängern
Sitzbank einer KLR600 wird angepasst – vergeblich !
Was täte man ohne Freunde ?
Martin schweißt die Kofferträger
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Der Tank war wirklich das einzige was 1:1 von den Vorgängermodellen übernommen werden konnte, aber damit hatte ich mir auch eine ganze Menge Arbeit eingehandelt.

Die Originalsitzbank passte vorn und hinten nicht mehr. Klar hät´ ich sie anpassen können, aber ich wollte dieses fast nagelneue Teil nicht zerstören und gebrauchte vom C-Modell waren nur für sehr viel Euronen zu haben. Der erste Versuch mit einer noch in der Garage rumliegenden XT-Sitzbank führte zu einem Hochsitz den ich ohne weiteres schießwütigen Jägern für ihre Anschläge auf nichtsahnendes Wild hätte zur Verfügung stellen können.

In der Bucht lief mir dann eine Sitzbank der KLR600 über den Weg und einen Versuch war sie wert. Das Ergebnis war zwar deutlich besser als mit der XT-Sitzbank, aber trotz meines nicht geringen Gewichts was das Mopped ordentlich in die Knie zwingt, kam ich nur mit den Zehenspitzen auf den Boden. Aber bekanntermaßen sind ja aller guten Dinge Drei. So klappte es wenigstens mit der dann verbauten Sitzbank eines 650er Ahnens. Zwar lang nicht optimal, denn sie steht zu steil und bei Probefahrten beklagte sich meine Lieblingssozia das sie mir dauernd ins Kreuz rutscht, aber ich werde ja leider allein unterwegs sein.

Angepasst und montiert, aber der Teufel steckt im Detail!
Das Ergebnis der Arbeit

Was wäre eine Reiseenduro ohne Alukisten? Irgendwie müssen die ja am Motorrad befestigt werden und da stand auch wieder Selbstbau auf dem Programm. Mangels eigener Schweißkünste war Freund Martin der Selbstbauer der Kofferträger. Deshalb an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank an ihn. Etliche Stunden stand ich ihm im Weg rum und hab ihn mit meinen merkwürdigen Vorstellungen vom Ergebnis geplagt. Er hat es in hervorragender Weise realisiert.

Jetzt müssten nur noch die Kisten dran und ab…

Der Abreisetermin war eigentlich für Oktober 2009 geplant, wurde aber aufgrund unerfreulicher Ereignisse um unbestimmte Zeit verschoben. So ganz fertig mit dem Umbau war ich im Oktober daher noch nicht und so konnte auch noch ein gewisses „Feintuning“ erfolgen.

Das Instrumentarium der C war mir dann doch etwas zu spartanisch. Kein Drehzahlmesser, keine Wassertemperaturanzeige. Da muss was Anderes dran. Die Wahl fiel auf die Instrumente der Tengai und das Spiel begann von Vorn. Nichts passt. Doch irgendwann mußte mit der Bastelei Schluss sein und das Mopped präsentiert sich letztendlich jetzt so:

ich hätte sie doch spachteln und schleifen sollen, aber irgendwann muß Schluß sein
Verunstaltete Lampenmaske
Ist doch schön bunt geworden
Die rechte Seite des Prachtstücks
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Reisefertig
KLR650C oder A ? Auf jeden Fall schön bunt.
Drauf und los
Mein Arbeitsplatz für die nächsten ? Kilometer.
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Um- und eingebaut wurden

  • Wirth Gabelfedern
  • KTM Ralley-Fußrasten
  • Lenkererhöhung (20 mm)
  • Alu-Motorschutz
  • Abwasserrohr als Werkzeugbox
  • McCoi-Kettenöler
  • Bordsteckdose
  • Eagle-Doohickey
  • Tank KLR650A
  • Sitzbank einer A
  • Instrumente KLR650 Tengai
  • Alu Vorder- und Hinterradfelge (A oder Tengai ?)
  • Handprotektoren
  • Heizgriffe
  • LED-Rücklicht

Nach allem was ich so gebastelt hab wird sich der Eine oder Andere fragen warum ich mir nicht gleich eine KLR 650A gekauft habe – das frage ich mich heute auch 😉

Aber noch besser wäre es gewesen sich in den USA ein 2007er Modell zu kaufen.

0. In die Ferne