10.04.2010 Samstag

Nachdem mir das freundliche Angebot von Hotel-Jorge leider nichts nützt, muß ich auf mein ursprüngliches Vorhaben zurück kommen. Das heist mit der Fähre auf die Baja übersetzen – es ging auch auf dem Landweg außen rum, aber ich will die letzten Wochen nicht nur fahren, sondern etwas im Meer plantschen und in der Sonne bzw. Schatten rumliegen und ab und zu eine Maragarita oder Pinacolada schlürfen -, nach La Paz, bzw. zur Banjercito nach Pichilingue fahren um dort meinen Permit zu canceln, einen Unterstellplatz für das Mopped suchen und dann bis Mitte Mai Urlaub machen. Soweit der Plan …

Es gibt eine Fährverbindung von Topolobampo nach Pichilingue – wär für meinen Plan der schnellste Weg – und von Guayamas nach San Rosalia. Da ich mich vom Rumreisen nicht so schnell verabschieden kann und auch noch etwas von der Baja sehen will, wähl ich letztere.
Die 130 km nach Guayamas sind auf der vierspurigen MEX 15 schnell abgespult. Mich ärgert nur das ich wieder die gleiche Maut wie die Autofahrer zahlen muß, aber eine andere, mautfreie Straße gibt es nicht.

Cowboys gibt es tatsächlich noch ..
.. aber die Kühe finden nur Trockenfutter

Die Straße führt schnurgerade durch die Ebene, hat mehrere fix eingerichtete Polizei-Kontrollstellen (kein Militär !!) und wird auch von Streifenwagen ordentlich frequentiert. Ich werd überall durchgewunken. An der Banjercito bei Empalme komm ich nicht vorbei, da die Straße nach Guayamas vorher von der MEX 15 abzweigt.

Der erste Blick auf den Golfo de California
Freund und Helfer

In Guayamas find ich natürlich wiedermal keinen Wegweiser zum Fährhafen und lande bei meiner Suche am anderen Ende von Guayamas vor einem Hotelresort mit Jachthafen. Dort stehen etliche Polizisten beim Klönschnak rum. Mit meiner Frage nach dem Weg zum Fährhafen stör ich die traute Runde, einer der Polizisten läuft über die Straße, schwingt sich auf sein Motorrad, fährt zu mir rüber und bedeutet mir ihm zu folgen. Es geht alles wieder zurück, irgendwann tauchen sogar Wegweiser auf – in Mexico muß man halt immer aus der richtigen Richtung kommen – und mein Pfadfinder lotst mich diesen Schildern entlang bis zum Fährterminal. Dann läßt er sich noch stolz zwischen beiden Kawas ablichten, wünscht mir eine gute Reise und braust davon.

Gemäß Reisebibel gibt es Tickets nur bis 14 Uhr, jetzt ist es 13:30 Uhr und ich bin daher grad noch rechtzeitig vor Ort. Der Fährpreis von 1955 Peso für Mann und Mopped ohne Kabine (!) ist für mexicanische Verhältnisse verdammt teuer und reißt ein ordentliches Loch in den Geldbeutel. Ist es doch das Budget für mehr als eine halbe Woche.

Bis zum Einchecken um 18 Uhr ist noch viel Zeit zu vergammeln und so unternehm ich erstmal eine Rundfahrt um die Bucht von Guayamas. Am Stradtrand ist ein großer Flohmarkt der regen Zuspruch findet, denn ringsherum parkt ein Auto am Anderen. Es gibt so ziemlich alles, vor allem aber gebrauchte Elektrohaushaltsgeräte, von der Uraltwaschmaschine bis zur Klimaanlage. Zwischendrin natürlich auch jede Menge Taccostände.

Flohmarkt
Stromagregate liefern den Saft für den Probelauf
Kakteenverkäufer

Die Bucht ist voller kleiner Inseln, sehr verzweigt, hat einen Militärhafen und mehrere kleine Schiffsfriedhöfe, aber auch schöne Badestrände.

Nicht weit weg pulst das Leben
Schiffsfriedhof
Kakteeninsel
Guayamas Seefront
Pelikane gibt’s wie bei uns Möven
Hängt mich endlich zum Trocknen auf !!

Während ich so in der Gegend rumfahr kommt mir mein Freund & Helfer entgegen, macht zur Begrüßung Sirene und Blaulicht an und veranstaltet ein lautes Hupkonzert. Die Autofahrer sind total verstört und halten alle an, während wir langsam aneinander vorbei fahren und uns gegenseitig zuwinken.
Ich fahr durch die Stadt um ein gemütliches Plätzchen für die nächsten Stunden zu finden, lande aber letztendlich auf der Plaza bei der Kirche. Hier gibt es Bänke im Schatten – leider kein Straßencafe, aber die sind in Mexico eh eine Rarität – und ich kann zwischen Lesen und Leutegucken und beliebig abwechseln. So verbring ich die nächsten zwei Stunden bevor ich nochmal in die Stadt fahr um mich beim nächsten Oxo mit einem Kaffee für die Überfahrt zu stärken.

Autowäscher
Kleiner Teil der Fangflotte

Auf dem Weg zum Fährhafen komm ich nochmal an der Unmenge von Fischerbooten vorbei die der Stadt ihren Stempel aufdrücken. Ich hab vorher noch nie eine Hafenstadt erlebt in der es derart nach Fisch riecht. Hier bei den Booten ist es dann aber wirklich extrem.

Ich bin so früh am Fährhafen, das nur ein PickUp vor mir in der bisherigen Miniaturwarteschlange steht, doch so nach und nach wird diese doch länger.

Miniaturwarteschlange

Auch Passagiere ohne Fahrzeug werden immer zahlreicher. Eigentlich wäre alles parat, denn Passagiere sind da, Fahrzeuge und auch die Fähre, aber es tut sich einfach nichts und wir stehen uns die Beine in den Bauch.
Viertel nach sieben kommt ein Militärjeep und ein Mannschaftstransporter angebraust. Insgesamt etwa zehn Soldaten übernehmen sofort das Regime. Zwei postieren sich vor der Rampe zur Fähre, die Fährmannschaft muß antreten und wird von zwei Soldaten bewacht, der Rest verschwindet in dieser und durchsucht sie eine geraume Weile. Dann darf ein PickUp an Bord, dessen Fahrer unter schärfster Beobachtung Farbeimer vom PickUp ablädt und auf einer Palette stapelt. Die Palette wird dann von einem der Fährmannschaft mit einem Gablstapler in eine Ecke der Fähre bugsiert. Zwei Soldaten mit Gewehr schußbereit in der Hüfte begleiten die ganze Aktion. Danach darf der PickUp, natürlich nur mit Begleitschutz, von der Fähre runter und in die Dunkelheit davon fahren. Ich greif mir an den Kopf. Die gehören doch allesamt in die Irrenanstalt.

Farbeimeraktion
Gepäckbeschnüffelei

Doch damit ist das Schauspiel noch längst nicht zu Ende. Die Fußpassagiere müßen ihr Gepäck in einer Reihe abstellen, werden dann etliche Meter zurück gejagt und von Soldaten in Schach gehalten. Dann kommt ein Hund zum Einsatz und darf das Gepäck beschnüffeln. Als das Gepäck freigegeben wird, bildet sich ein wirrer Knäul von Menschen die ihre Taschen und Koffer an sich reißen und zur Fähre stürzen. Zwischenzeitlich kommt ein Taxi, daraus stürmen drei Leute mit einem Berg an Gepäck, die sofort mit der Menschenmenge Richtung Fähre eilen. Um sie kümmert sich von den Soldaten niemand mehr, denn die sind nun mit den Fahrzeugen beschäftigt.

Alle Fahrer müssen neben ihre Fahrzeuge treten, aber in ca. 1m Abstand bleiben, werden von den Soldaten bewacht und es kommt wieder ein Hund zum Einsatz, allerdings ein Anderer als beim Gepäck der Fußpassagiere. Der Hund muß um jedes Fahrzeug rum, untendrunter und in jedes rein, sowie auf jede Ladefläche springen. Das dauert natürlich alles so seine Zeit – inzwischen sollte die Fähre eigentlich ablegen – und irgendwann ist der Hund so fertig das er auf die Ladeflächen gehoben werden muß. Ob der noch Spaß an seiner Arbeit hat ??

Erst als alle Fahrzeuge beschnüffelt wurden darf mit dem Beladen begonnen werden. Das dauert natürlich auch seine Zeit und als nur noch zwei PickUp abseits auf dem Pier stehen, denk ich jetzt kann’s ja losgehen. Doch weit gefehlt. Ein Sattelschlepper mit Auflieger braust heran, muß zum Wenden nochmal wegfahren und dann den ganzen Weg rückwärts fahren. Bevor er auf die Fähre darf muß natürlich das Schnüffelprozedere durchgeführt werden. Diesmal schnüffelt der Gepäckhund. Leicht zu erkennen, denn der ist braun, der Andere war schwarz.

Der Auflieger kommt an Bord

Endlich wird der Sattelzug an Bord gefahren, muß aber nochmal runter um den Auflieger beim zweiten Anlauf näher an die Bordwand zu stellen. Dann braust der Sattelschlepper davon, doch kurze Zeit darauf tauchen die Rücklichter eines weiteren Aufliegers aus der Dunkelheit auf and the same procedure as last year …

Nach bewundernswerter Rangierarbeit des LKW-Fahrers ist auch dieser Auflieger an Bord, der Sattelschlepper fährt ab, die Soldaten fahren ab und als letzte kommen die zwei Abseits stehenden PickUp’s an Bord. Für einen Smart wäre jetzt grad noch Platz. Das die Fähre so voll wird hätte ich nicht gedacht. Hoffentlich gibt es dann genug freie Sitze um sich in der Nacht quer legen zu können.

Mit anderthalb Stunden Verspätung sticht die Fähre in See. In Anbetracht der Umstände ist das ja geradezu pünktlich.

11.04.2010 Sonntag

Die Nacht auf der Fähre hab ich besser überstanden als erwartet. Es waren genügend komplette Sitzreihen frei, so daß ich eine davon beschlagnahmen und mich langlegen konnte. Einschlafen war auch kein Problem, denn die mit mäßiger Bildqualität auf den Fernsehbildschirmen laufenden Boxkämpfe waren so langweilig das die Augen von allein zu fielen.

Zum ersten Mal wach geworden bin ich als gerade die „Essensausgabe“ geöffnet wurde. Noch beim Überlegen ob ich mir einen Kaffee holen soll bin ich wieder eingeschlafen und erst beim Anlegemänover wach geworden. Von anderen Passagieren war nix mehr zu sehen, also hurtig in die Endurostiefel, Gerödel gepackt und ab auf Deck. Die Fähre wird grad vertäut. Ich bin also keine Minute zu früh und will noch ein paar Bilder von San Rosalia machen bevor ich zum Motorrad geh, aber die Kamera gibt will wiedermal nicht. Auch Batterie raus/rein hilft nicht. San Rosalio mit den vor sich hinrostenden Resten einer alten Fabrik ist ja nicht sooo fotogen, aber überhaupt keine Photos mehr wär schon schade.

Ich fahr von der Fähre runter und will vom Hafengelände auf die Straße, werde aber von einem Soldaten gestopt. Mit der Fahrt von Sonora zur Baja California Sur scheinen alle Passagiere in ein anderes Land gereist zu sein, denn alle müssen zur Registration, Paß vorlegen – mit Name, Geburtsdatum und sonst noch völlig unwichtige Personalien werden Computer gefüttert – und sich dann in richtige Position stellen, denn bekanntermaßen sind Namen ja Schall und Rauch, deshalb wird mit einer Webcam noch ein Bild aufgenommen.
Ich hab keine Lust meinen Paß raus zu kramen, deshalb drück ich der Dame hinter dem Monitor meinen echten falschen Führerschein in die Hand. Sie hat etwas Mühe aus diesem Dokument die notwendigen Angaben zu fischen, aber mit Hilfe ihrer Kollegin scheint sie es geschafft zu haben, denn ich bekomm das „Dokument“ ohne Nachfragen wieder zurück.

Abfahrt ist aber immer noch nicht, es muß zuerst das Gepäck kontrolliert werden. Damit ich keinen erneuten Fluchtversuch starte, werd ich jetzt von einem Soldaten ganz exklusiv bewacht. Es dauert eine ganze Weile bis Herr und Hund erscheinen, eine Runde um das Motorrad drehen und Herrchen dann noch in eine Packtasche schauen will. Ich schüttel den Kopf, Herrchen zuckt hilflos mit den Schultern und dreht ab, ich darf fahren ….

Es ist jetzt so gegen 9 Uhr, ich bin auf der Baja Calfornia und fahr bei schönstem Wetter Richtung Loreto. In einer Berg- und Talfahrt geht es dem Küstengebirge entlang, immer wieder öffnet sich der Blick auf’s Meer mit traumhaften Buchten. Strahlend blaues, klares Wasser – nicht ganz so blau wie in der Karibik, aber immerhin -, schöne Sandstrände. Von ganz einsam bis mit rudimänter Infrastruktur (Restaurants, Cabanas, Palapas). Hier könnte man wunderbar ein paar Tage abhängen – sich im Wasser abkühlen, in der Sonne oder im Schatten rumliegen, zwischendurch eine Margarita schlürfen, Abends im Restaurant Meerestiere schlemmen – aber ich brauch u.a. Internet um eine Unterstellmöglichkeit für die KLR zu finden.

Obwohl ich immer wieder anhalte und die Kamera raushole um diesen Traum in Bildern fest zu halten, das Teil will einfach nicht. Irgendwann laß ich die vergeblichen Photostops dann sein und lande so schließlich schon am frühen Nachmittag in einem netten Hotel in Loreto. Das Zimmer ist zwar klein, aber sehr sauber und alles sieht aus wie frisch restauriert. Das wichtigste aber, WLAN im Zimmer und Klimanlage. Nicht weit entfernt zur recht netten Innenstadt (für Nordmexico), Eisdiele, Restaurant und Supermarkt. Hier kann ich es also durchaus ein, zwei Tage aushalten um meine Recherchen zu starten.

Nach der obligaten Stadtbesichtigung ist es dann auch das Erste was ich mache. Ich meld mich in verschiedenen Foren an (Reisforen, Bajaforum etc.) um meine Anfrage zu platzieren, zudem schreib ich noch an den Motorradklub Bajabikers und diverse Offroadtourveranstalter in Cabo San Jose. Müßte doch mit dem Teufel zugehen wenn ich da nicht irgendwelche Hinweise und Tips bekommen würde.

Danach läßt mir die nicht funktionierende Kamera keine Ruhe. Nachdem mehrere Versuche sie auf alle mögliche Weise zum Leben zu erwecken scheitern, steck ich als letzte Rettung den Akku in das Ladegerät. Sollte eigentlich nicht notwendig sein, denn vor der Abfahrt in Obregon hatte ich den nochmal geladen. Um dem Teil Zeit zu geben geh ich erstmal Abendessen. Nach meiner Rückkehr wandert der Akku wieder in die Kamera und sie tut !!

12.04.2010 Montag

Der Vormittag verbring ich in der virtuellen Welt des WWW. Finde viel Interessantes, doch leider nicht das was ich suche und auch auf meine Anfragen ist noch keine Reaktion erfolgt. Aber immerhin hab ich danach noch ein paar Fäden denen ich weiter nachgehen kann.

Danach ist ein Bummel in Richtung Hotel Zone und Strand fällig. Ein paar pickfeine, kleinere Hotels liegen abseits des Strandes zwischen Ferienhäusern und am Strand ist hinter Mauern ein großes Ferienresort. Zudem gibt es zwei RV-Parks und auch noch etliche Hotels in der Stadt. Zur Hochsaison gibt es dann wohl mehr Touristen als Einwohner in der Stadt. Bin richtig froh das hier jetzt keine Saison ist.

Feriendomizil …
… kleines Hotel diekt gegenüber
Strand vor Luxusresort
Öffentlicher Strand
Baja-Möven
Von hier ging die Christianisierung der Baja aus

Am Strand hat’s keine Leute, die Strandbar ist – leider – geschlossen. Schade, wäre ideal um sich in den Schatten zu setzen und einen kühlen Drink zu genießen. Aber dazu muß ich zurück in die Stadt. Es ist vom Hafen aus ein ziemlich weiter Weg. An der einen Seite der vierspurigen Straße ein paar öde Hotelklötze, auf der anderen Seite die Uferpromenade an Steinen entlang, denn hier gibt es keinen Strand.

Da der Tag schon ziemlich fortgeschritten ist, nehm ich in der Stadt nicht nur einen Drink – hier ein Bier statt der Margaritta -, sondern auch gleich das Abendessen zu mir.

13.04.2010 Dienstag

Die Baja ist ja das reinste Dirty- und Offroadrevier. Motorradfahrer seh ich zwar keine in der Stadt, aber viele Mexicaner und Amis mit Quads oder ATVs. Bei der ersten Stadtbesichtigung vom Motorrad aus – auf der Suche nach einem Hotel – bin ich auch schon viele DirtyRoads lang, aber heute will ich wirklich gezielt in die Pampa. Doch zuerst muß ich mir paar Kilometer südlich von Loreto das künstliche Ferien- und Renternerparadis Nado geben.

Die Ferienhäuser sind im „mexicanischen“ Stil, alle Einheitlich und hocken ganz eng aufeinander, aber offensichtlich entspricht das dem Bedarf, denn bei denen die schon fertig sind parken Autos – mehrheitlich mit US-Amerikanischem Kennzeichen – davor.

Ferienhäuser im Einheitslook
Das wird sicher noch
Zufahrt zum Strand
Es ist noch nicht alles ganz fertig …
… und zwischendrin noch reichlich Baulücken

Der ganze „Ort“ macht einen extrem retortenhaften Eindruck, überall wird noch gebaut, Palmen gepflanzt und Grünanlagen kräftig bewässert. Ein paar kleine Läden und Restaurants gibt es zwischen den einförmigen Bauten, doch abgesehen von den Bauarbeitern sind keine Leute unterwegs. Wirkt so richtig heimelig. Ich kann mir gut vorstellen wie das hier mal ausieht wenn alles fertig ist. Manche mögen sowas ja, aber mir läuft ein frösteln über den Rücken und dann die vielen Schilder unterwegs auf denen Land zum Kauf angeboten wird ….
Es gibt einen Song aus den Siebzigern von Joni Mitchell „They paved the paradise and put up a parkin‘ lot“, trifft leider ziemlich.

Um sich davon zu erholen brauch ich die Natur auf dem Weg nach Poza Theresa. Dort steht am Dorfrand eine Missionstation die noch im Originalzustand erhalten ist. Es geht von der Küste weg in die Berge, die ersten paar Kilometer noch geteert, doch dann liegen knapp 50 Kilometer Piste vor mir.

Blick zurück auf’s Meer
Vorwiegend stachlig
Wer küßt den Frosch zum Prinz ?
Geländevehikel vor San Theresa
Mission San Theresa
(Schlichter) Altar
Farbtupfer
clear

Für die knapp eine handvoll Häuser aus denen Poza Theresa besteht ist die Kirche der Mission total überdimensioniert. Um die damals „wilden“ Indios zu beeindrucken waren Altar und Kirche aber sicher geeignet. Leider kann man den wehrhaften Mönchstrakt nicht besichtigen, so das sich allein wegen der Kirche die Fahrt hier raus in die Einsamkeit eigentlich nicht lohnt – so jedenfalls der Tenor der meisten mit PKW oder SUV angereisten amerikanischen Besucher.
Ok, mit einem PKW hier raus fahren macht sicherlich keinen großen Spaß, aber auch durch die Autoscheiben kann man die Landschaft auf sich wirken lassen.

Mir hat’s jedenfalls gefallen. Die Fahrt hierher durch die schöne Landschaft, dann das außergewöhnlich gepflegte und bunte Dorf so im Nirgendwo, in einem der Restaurants vor der Mission eine kühle Limonade schlürfen und Leute gucken, das hatte schon was.

Etwas Offroad
Pflanzenwelt
Schotter und Sand
Meer in Sicht
clear

Auf dem Rückweg hab ich mir etwas mehr Zeit gelassen, denn ich hatte nicht erwartet das ich auf der Dirtroad so gut voran komme und daher ein dickes Zeitpolster. Deshalb bin ich auch ab und zu mal runter von von der Piste und im Altherrenmodus querfeldein gefahren, einfach um mal etwas Baja-Ralley Feeling zu bekommen. Läßt sich ganz gut fahren. Im Wettbewerbstempo wollte ich allerdings nicht zwischen den Kakteen durchjagen und mir gleichzeitig noch meinen Weg suchen müssen.

Da ich noch genügend Zeit hatte bin ich dann auch noch ein Stück die Küste runter nach Puerto Escondido. Hatte da eigentlich ein kleines Fischerdörfchen erwartet, aber es besteht nur aus einem Restaurant mit RV-Park (abseits vom Meer) und dem die ganze Bucht einnehmenden Yachthafen. Es waren aber nur wenige Boote da, die baulichen Anlagen ringsum – breite, geteert und gepflasterte Straßen entlang vom Kai, mehrere vierspurige Staßenabschnitte (nachdem die Zufahrt dorthin über eine schmale Dirtroad erfolgt) und große Parkplätze. Entweder ist hier in der Hochsaison wirklich viel los, oder es hat wiedermal der mexicanische Hang zum Gigantismus zu geschlagen.

Auf dem Weg nach Puerto Escondido
Ferienhaus- und Wohnwagensiedlung
Bucht von Puerto Escondido
Golfhotel in Nado

Auch wenn es so garnicht meinen Erwartungen entsprach, war der Abstecher nach Puerto Escondido aber schön und auf dem Rückweg eröffnete sich dann noch ein ganz anderer Blick auf Nado. Das Golfhotel scheint die Keimzelle der Bebauung zu sein. Diese Grün- und Wasserflächen sind schon ein krasser Gegensatz zur umgebenden Landschaft, obwohl ich zugeben muß, das zwischendurch Grün den Augen durchaus gut tut.

Als ich ins Hotel zurück komme ist das am Morgen begonnene Metallgerüst über dem Innenhof fast fertig. Wenn der Innenhof überdacht ist wird es in den eh schon dunklen Zimmern sicher stockdunkel. Schade, aber Innenhöfe zu überdachen scheint in Mode zu sein.

Der Hotelerbe ist mit Schreinerarbeiten beschäftigt. Über den Austausch von Erfahrungen bei der Holzbearbeitung komm ich mit ihm ins Gespräch. Vorher war er immer sehr distanziert.
Er erzählt mir das er das Hotel vor einem Jahr von seiner Mutter übernommen hat und nun dabei ist es zu renovieren und weiter aus zu bauen. Hinter dem modernen Trakt in dem ich bin, stehen ältere Hütten die er abreißen und durch kleine Ferienappartements ersetzen will. Das Übernachtungsgeschäft sei stark Saisonabhängig, d.h. im Sommer ist wegen der großen Hitze kaum ein Tourist da, und deshalb muß man in der Saison so viele Gäste haben wie möglich. Ob ihm allerdings klar ist das überzogene Preise die Gäste nicht gerade in Scharen herbei locken wag ich allerdings zu bezweifeln. Immerhin macht er alles sehr hübsch und das Hotel ist wirklich bis in den letzten Winkel sehr gepflegt.

Bei meinem Unterbringungsproblem für das Motorrad kann er mir aber auch nicht weiter helfen und hat auch keine Tips parat. Auch meine Aktivitäten im WWW haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Also werd ich morgen Richtung La Paz weiter fahren, denn möglichst dort in der Gegend sollte das Mopped untergebracht werden und eine direkte Suche vor Ort ist hoffentlich erfolgreicher.

14.04.2010 Mittwoch

Den ersten Teil der Küste entlang bin ich ja schon gestern auf meinem Weg nach Puerto Escondido gefahren. Aber auch weiter südlich davon geht es noch ein Stück das Küstengebirge entlang und man hat immer wiedermal den Blick auf noch ein paar schöne Buchten. Etwa 30 km südlich von Puerto Escondido verläßt die MEX 1 die Küste und biegt ins Innere der Halbinsel ab. Zunächst geht es noch schön die Berge hoch – leider in einer kilometerlangen einspurigen Baustelle im Staub der vorausfahrenden Autos -, dann folgt eine weite Hochebene die am Horizont mit dem Himmel verschmilzt.

Südlich von Escondido
Erde und Himmel verschmelzen am Horizont
Das Flußbett sorgt für üppige Vegetation …
… auch wenn die hauptsächlich aus Kakteen besteht
… Blick Richtung Hochebene
Diesem Feld fehlt Wasser …
.. den Bäumen wohl nicht

Anfänglich fährt man am Rande der Ebene an einem Flußtal vorbei. Es ist erstaunlich wie breit dieses ist – entweder gab es vor Urzeiten mal viel Wasser, oder die Hurikans bringen so viel mit – und das es selbst jetzt noch immer wieder Stellen gibt an denen noch Wasser steht.
Abgesehen vom Verlassen des Flußtals tut sich dann über die nächsten 100 Kilometer landschaftlich Nichts. Erst kurz vor Cuidad Insurgentes weichen die Kakteen großen landwirtschaftlichen Flächen, die aber nur dort grün sind wo reichlich bewässert wird.

Der Ort Ciudad Insurgentes ist nicht weiter der Rede wert. Groß und staubig. Die Straße führt auf den Ort zu, biegt dann am Ortsrand im rechten Winkel nach Süden ab und läuft die ganze Stadt entlang. Ein Oxo um mir einen Kaffee einzuverleiben entdecke ich leider nicht.

Zwischen Ciudad Insurgentes und Ciudad Constitución geht es schnurgerade zwischen grünen Feldern und Baumpflanzungen durch. Auch nicht besonders aufregend, oder genauer eher einschläfernd, denn ich rausch durch Ciudad Constitución durch, ohne zu schnallen das ich hier ja nach San Carlos abbiegen müßte. Erst bei einer Pause 50 km südlich von Ciudad Constitución fällt mir das auf, also alles wieder zurück, aber zuerst werden mal die Wüstenpflanzen am Rastplatz abgelichtet.

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San Carlos soll ein verschlafenes Fischernest sein, das nur zur Zeit der Wale aufwacht und von wo aus man dann sehr gut Walbeobachtungstouren machen kann. Ich bin zwar dafür etwas spät dran, die Saison geht bis März, aber vielleicht hab ich ja Glück und es gibt ein paar Nachzügler.
Die Abzweigung nach San Carlos ist sogar beschildert. Ich muß ziemlich abwesend gewesen sein um da vorbei zu fahren. Vorsichtshalber tank ich in Ciudad Constitución noch mal voll bevor ich mich Richtung Pazifikküste auf den Weg mach.

Die Straße geht stetig sanft bergab, vorwiegend geradeaus und sehr einsam. Kurz vor San Carlos werd ich durch weithin sichtbares Blaulicht aus meiner Meditation gerissen. Auf der schnurgeraden Straße haben sich zwei Autos geknutscht. Muß ziemlich heftig gewesen sein, denn eines von ihnen steht sehr weit in der Pampa. Merkwürdig, obwohl auf dieser Straße praktisch kein Verkehr herrscht bildet sich sofort ein Stau, der aber von freiwilligen Helfern sofort in geordnete Bahnen gelenkt wird.

San Carlos ist nicht nur verschlafen, sondern im absoluten Tiefschlaf oder sogar Koma. Ich mach eine Ortsbesichtigung über tief versandete Straßen und was ich sehe veranlaßt mich nicht in den Hotels nach Übernachtung und Preis zu fragen. Ich fahr noch zum Strand um wenigstens den Pazifik zu sehen – es ist Ebbe und daher auch kein toller Anblick -, dann mach ich sofort kehrt und fahr nach Cd. Constitucion zurück. Den Weg hätte ich mir sparen können, aber auf der Rückfahrt – der Stau ist immer noch – mach ich wenigstens noch ein paar Bilder.

Pazifikküste
Wohlstandsviertel von San Carlos
Bis weit ins Land versandet
Eigenwillige Architektur mitten in der Pampa
Grüne Felder vor Cd. Constitucion
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Ciudad Constitución klapper ich bei der Suche nach einem Hotel abseits der Hauptstrasse bis zum Horizont ab. Die flächenmässige Ausdehnung dieser sich Stadt nennender Ansammlung von Häusern erstaunt mich immer wieder. Hotels gibt es aber nur an, bzw. in unmittelbarer Nähe zur Hauptstraße. Diese erstklassige Lage wollen sie sich aber auch bezahlen lassen. 400 Peso das preiswerteste das ich finde und dann nicht mal ein WLAN.

Am Stadtrand ist ein RV-Park. Vielleicht kann ich ja da mein Zelt aufschlagen. Kann ich, aber sie haben auch Zimmer. Kosten normalerweise 500 Peso, aber da ich allein bin bekäm ich es für 300 Peso (mit WLAN !!). Ich lasse es mir zeigen und mein Hang zur Bequemlichkeit besiegt den Schwaben in mir.

Wohnzimmer mit Himmelbett
Restaurantbereich
RV-Stellplätze
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Da der RV-Park auch ein Restaurant hat, komm ich nach dem Zimmerbezug und Ablegen der Motorradklamotten auch gleich zu einem kühlen FVB und später am Abend auch zu einem Essen.
Nach dem Essen komm ich mit Patty, der Besitzerin des RV-Parks, ins Gespräch. Sie ist, wie so viele der Mexicaner mit denen ich hier in Kontakt komme, in der USA geboren und aufgewachsen. Deshalb spricht sie deutlich besser Englisch, naja, so eine Art davon halt, als ich.

Den RV-Park hat sie und ihr Mann vor vier Jahren einem österreichischen Ehepaar abgekauft, die diesen Park zehn Jahre lang aufgebaut und bewirtschaftet haben, bevor sie wieder nach Österreich zurück sind. Jetzt wundert mich nichts mehr. Kam mir doch einiges unmexicanisch perfekt vor. Auch sie ist stolz auf die Leistung der Vorbesitzer und ist sich sicher einen der besten RV-Parks Mexicos zu haben.

Nach einigen weiteren Interna und mexicospezifischen Problemen – u.a. über die Schwierigkeiten mit ihrer pubertären Tochter, den frühen Schwangerschaften mexicanischer Mädchen, dem niedrigen Bildungsstand, den sich um Nichts kümmernden Männern etc. – frägt sie mich nach meinen Plänen. Ich erzähl ihr von meiner Suche nach einer Unterstellplatz für das Motorrad in der Gegend von La Paz und erhalte von ihr einen entscheidenden Tip. In unmittelbarer Nähe vom Flughafen La Paz soll ein RV-Storage sein in dem die Amis ihre Wohnmobile unterbringen. Sie gibt mir auch eine genaue Wegbeschreibung und die zu einem anderen RV-Park bei La Paz wo ich ebenfalls nachfragen könnte. Klasse, das ist doch jetzt mal was Handfestes, denn aus dem WWW kommt nur der Rat ich könnte es ja auch auf einem der vielen bewachten Parkplätze abstellen und eine Monatsgebühr aushandeln.

15.04.2010 Donnerstag

Die Strecke von Cd. Constitucion nach La Paz ist mit 240 km für eine Tagesetappe nicht besonders lang und landschaftlich auch nicht besonders aufregend. Lediglich kurz bevor man wieder an’s Meer kommt wird es etwas spektakulärer, mit steilen Auf- und Abfahrten geht es zwischen den Lössbergen durch. Leider gibt es keine Möglichkeit zu einem Fotostopp, denn die Straße hat keinen Seitenstreifen auf dem man sich vor den herandonnernden Lastwagen in Sicherheit bringen könnte.

Lössberge vor der Küste …
… mitten drin

Dieser interessante Straßenabschnitt ist aber nur wenige Kilometer lang und dann geht es auf einer breiten, flachen Straße der Küste entlang bis La Paz. Die Wegbeschreibung zum RV-Storage ist so genau das ich es auf Anhieb finde. Es ist von einer ca. 2,5 m hohen Mauer umgeben, an der sich im innerenen Garagenbox an Garagenbox reiht. Im Geländeinnere sind mehrere großen Schattendächer, unter denen vom PKW bis zum Groß-RV und Motorboot so ziemlich alles steht was an Fahrzeugen im Urlaub brauchen kann.
Als ich durch das offene Tor auf das Gelände fahre beginnt sofort eine Alarmsirene zu tröten und kurz darauf kommt ein Mann aus dem Bürogebäude und schaut nach dem Ruhestörer. Ich frag ihn ob sie noch Platz für mein Mopped haben und was das dann kostet. Wegen der Hunde könnte ich die KLR nicht frei auf dem Gelände abstellen, denn diese würden mein Gepäck zerlegen, sondern müßte eine der Boxen mieten, macht 40 Dollar im Monat, frei sei immer eine. Ich muß erstmal Schlucken. 40 Dollar sind nicht gerade ein Sonderangebot für eine Box die nichtmal halb so groß ist wie eine Garage. Allerdings wär ich damit meiner Unterstellsorgen enthoben, bräuchte die KLR auch erst am Abflugtag dort einstellen, denn im Preis ist mein Transport zum Flughafen enthalten und bei meiner Rückkehr würd ich auch von dort wieder abgeholt. Gebongt, falls sich in den nächsten Wochen kein anderer Moppedparkplatz findet werd ich hier Mieter. Jetzt muß ich morgen nur noch am Fährhafen mein „PERMISO DE IMPORTACION TEMPORAL DE VEHICULOS“ canceln, dann kann ich meinen Rückflug buchen und bis dahin noch gemütlich Strandurlaub machen.

Das in der „Reisebibel“ ausgeguckte Hostal in La Paz ist schnell gefunden, das Mopped darf im Innenhof parken und nach dem Zimmerbezug geht es zur Strandpromenade und kleinem Stadtrundgang.

Typische Backpacker-Bleibe
Vorhängeschlösser an den Zimmertüren
Küche und Speisesaal
Strandpromenade

Das Hostal liegt sehr günstig. Genau zwischen Innenstadteinkaufsviertel und Strandpromenade mit Restaurants, Kneipen, Eiscafes und Orten für das gesellige und kulturelle Leben. Bei meinem ersten Spaziergang stolper ich auch sofort wieder über Letzteres. Auf einer zu einem Platz und Fußgängerzone umgewandelten Straße präsentieren weibliche Wesen aller Alterstufen ihr Tanzkönnen.

Musiker als Platzabschluß
Nachwuchstänzerinnen ….
… in Aktion
Vorbereitungen für den Auftritt
Lampenfieber ?
jetzt nicht mehr

Nur ein paar Meter weiter ist der Strandpavilion und auch dort ist eine Veranstaltung. Allerdings ist diese für mich wegen meines mangelnden Sprachverständnis nicht sonderlich interessant und so schlender ich noch etwas die Strandpromenade entlang und mach mich dann Abseits des Trubels der Promenade auf die Suche nach einer Verpflegungsstation.

Am Strandpavilion
Badestrand in der Nähe
Ehemaliges Rathaus

Die Suche gestaltet sich schwieriger als erwartet. Während entlang der Strandpromenade reges Treiben herrscht, sind ein paar Meter weiter in der Stadt um 20 Uhr die Bürgersteige fast überall schon hoch geklappt. Nach einigem Suchen lande ich in einer Pizzeria. Die Pizza ist gut, das Bier auch und so lande ich dann etwas später satt und mit dem Tag zufrieden in meinem Hotelzimmer.

Morgen werd ich mich vom Permisio trennen, danach die Strände nördlich von La Paz unter die Lupe nehmen und etwas Sightseeing in der Umgebung machen.

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16.04.2010 Freitag

Manchmal kann ich mich nicht des Verdachts erwehren das ich alt werd. Früher hat mich überhaupt nichts gestört um einschlafen und schlafen zu können, aber jetzt brauch ich mit dem Lärm um mich rum doch eine erhebliche Weile bis aus dem Dösen endlich Schlaf wird. Bin halt in einem echten Backpacker, die Belüftungsschlitze der Zimmer bieten Null Schallschutz und bis spät in die Nacht herrscht Leben in der Bude. Deshalb bleib ich heute Morgen zum Ausgleich etwas länger in der Waagrechten, dann wird Gefrühstückt und nebenbei Skype genutzt. Männer fassen sich ja bekanntlich kurz und deshalb ist es auch erst früher Nachmittag bevor ich mich auf den Weg mache um mein Importpermisio für die KLR zu canceln. Deshalb führt mich mein Weg zur Banjercito am Fährhafen von Pichilingue.
Ausnahmsweise ist die Wegfindung mal sehr einfach. Mit dem Mopped runter zur Strandpromenade und dann die Uferstraße lang Richtung Norden. Sich zu verfahren ist deshalb praktisch unmöglich.

Die Straße führt schön an der Küste entlang, an mehreren Stränden und einem Jachthafen mit etlichen Luxushotels vorbei. Die drei Strände Playa Palmira, el Coromuel und Caimancito sind nicht sehr weit von der Stadt entfernt und el Coromuel zu einem Wasserpark mit Restaurants, Bars, Wasserrutschen etc. ausgebaut.

Jachthafen
Bettenburg für müde Kapitäne

Kurz dahinter kommt dann ein großer Jachthafen mit zwei Hafenbecken und mehreren luxuriösen – zumindest äußerlich – Hotels, damit die Schifsbesatzungen auch auf dem Festland ihre Häupter standesgemäß zur Ruhe betten können. Weniger standesgemäß ist sicherlich die grad ums Eck liegende Pemex-Raffinerie, aber die sieht man von den Hotels aus wahrscheinlich nicht. Nur ein paar Kilometer weiter komm ich an der kleinen Playa el Tesoro vorbei – Strandbar und Palapas -, dann wird es etwas hügeliger und kurviger und schon bin ich in Pichilingue.
Zuerst land ich im Ticketbüro der Fährgesellschaft, aber Herr hinter dem Schalter kann mir auf Englisch den Weg zur Banjercito erklären. Ich müßte wieder ein Stück zurück zum Zoll fahren, dahinter sei ein großes, gelbes Gebäude und die Banjercito ist an dem grünen Anstrich über ihrem Schalter leicht zu erkennen. Wenn man’s weis ist es wirklich ganz leicht zu finden, aber die beiden Damen hinter den Schalterscheiben wollen/können mir meinen Wunsch das Permit zu canceln um’s verrecken nicht erfüllen. Nach der ersten Ablehnung meines Ansinnens versuch ich’s mit mit allem Charme dessen ich fähig bin, er perlt Wirkungslos ab. Dann versuch ich es mit logischen Argumenten, hät ich mir aber gleich denken können das die bei Frauen erst recht nicht ankommen. Stets höre ich dasselbe, sie könnten mir nur ein neues Permit ausstellen, aber das alte nicht canceln, das ginge nur an der Grenze.

Die gute Laune mit der ich mich hierher auf den Weg gemacht habe ist schlagartig dahin und mein bisheriger Optimismus alles für den Verbleib des Moppeds schnell regeln zu können natürlich auch. Die ganze Baja California bis nach Tijuana oder Tecate raufgondeln und dann wieder zurück. Das sind rund 3000 km nur um das Permisio wieder los zu werden. Ich liebe die Bürokratie !! Zuerst muß man Klimmzüge machen um das blöde, bisher überhaupt noch nie bei einer Kontrolle gebrauchte Papier zu bekommen und nun kann ich mir den Hintern wund reiten um es wieder los zu werden.

Ich bin total am Boden zerstört und muß mich förmlich zwingen mein exploratives Tagesprogramm wieder auf zu nehmen. Jetzt könnte ich eine Zigarette brauchen, aber ich laß meinen Ärger und Frust an dem Parkplatzwächter ab der von mir für die Viertelstunde Moppedabstellen 20 Peso haben will. Nach erbitterter Diskussion drückt er schließlich resigniert auf’s Knöpfchen das die Schranke öffnet. Ich fahr die Straße weiter um mir die beiden letzten Strände an zu sehen und reagier mich mit einer etwas weniger „verhaltenen“ Fahrweise ab.

Playa de Balandra ist eine Bucht inmitten von Hügeln, völlig unbewirtschaftet, hat ein paar Palapas und ist sicher ein idealer Standplatz für ein Wohnmobil mit gut gefülltem Kühlschrank. Nur ein paar Kilometer weiter kommt die Playa de Tecolote. Hier gibt es einen sehr langen Strand mit Palapas, Restaurants, Bars und Toiletten. Sehr viel los ist nicht, aber das war an den anderen Stränden ja genau so. Am Wochenende wird sich das sicher ändern.

Playa de Tecolote …
… Servicemeile

Auf dem Rückweg bieg ich vor der Pemex-Raffinerie ab auf die Umgehungsstraße von La Paz. Diese führt durch das hügelige Hinterland, ist etwas kurviger und hat überhaupt keinen Verkehr. Genau das was ich immer noch brauche um mir den Kopf frei zu blasen. Nach ca. 8 km komm ich an eine Kreuzung und die Wegweiser (!!) zeigen die Richtung zu zwei einsamen Käffern an der Küste. Natürlich blas ich in diese Richtung und als sich die Straße gabelt, folg ich dem geteerten Zweig.

Noch geht es auf Teer um und über die Hügel

Dieser windet sich mit hervorragendem Straßenbelag wunderbar durch die Landschaft. Das Angasen macht Spaß, doch urplötzlich drehen sich hinter einer Kuppe die Räder auf einer Erdstraße. Es scheint eine Spezialität mexikanischer Straßenbauer zu sein, den Teerbelag immer auf einer Kuppe enden zu lassen. Die Erdstraße lässt sich die ersten Kilometer, abgesehen von ein paar sehr sandigen Stellen, auch gut fahren, doch dann folgt Baustelle auf Baustelle und sich da durch zu wühlen macht keinen Spaß mehr. Ich dreh um.

In La Paz besorg ich mir im Walmart etwas zum Abendessen, fahr zurück ins Hostal und vergrab mich dort für den Rest des Tages in den Weiten des Internet. Es muss doch eine Möglichkeit geben …
Nach intensiven Recherchen muß ich zu meinem Leidwesen feststellen, es gibt wohl keine. Zwar gibt es auf dem Festland bei Empalme an der MEX 15 noch eine Banjercito – nicht weit weg davon bin ich auf meinem Weg zum Fährhafen Guayamas daran vorbei gerauscht -, aber die Chance das ich dort mein Permisio canceln könnte sind gering, denn bei allem was ich über das Canceln des Permits lese, heißt es immer nur „an der Grenze“.

Am nördlichen Ende der Baja California gibt es an der Grenze Banjercitos in Tijuana, Tecate und Mexicali. Vom Festland kommend in Sonoita und 25 km vor Nogales. Soll ich die Baja hochkurven oder eine Runde über das Festland drehen? Problematisch wird es, wenn ich nach canceln des Permits tatsächlich gezwungen wäre zuerst mal in die USA aus zu reisen. Dann käme wieder der ganze administrative Kram auf mich zu den ich so liebe, Visa, Haftpflichtversicherung für das Mopped etc.
Ich kann lange hirnen, denn auch heute ist bis spät in die Nacht einschlafhinderndes Leben ringsum, aber zu einer Entscheidung was ich mach komme ich nicht.

22. Kleine Baja Runde

Ein Kommentar zu „22. Kleine Baja Runde

  • 2010-05-19 um 17:09 Uhr
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    äääähm …. und wann geht es endlich weiter mit dem „noch lange nicht fertig“?????

    p.s. zwischen dem 14. und 16.4. fehlt noch der 15.4. 😉

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